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Ein Déjà-vu von 2024 – Tirschenreuth stärken, ohne Kemnath zu schwächen

Autorenbild: IKR
IKR
vor 8 Minuten
6 Min. Lesezeit


Liebe Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Tirschenreuth, liebe Vertreter der Presse,


im Folgenden finden Sie die nachfolgende Pressemitteilung.




+++ PRESSEMITTEILUNG +++



Ein Déjà-vu von 2024 – Tirschenreuth stärken, ohne Kemnath zu schwächen


Initiative Klinik Retten begrüßt die Sicherung aller Standorte, fordert aber Transparenz, belastbare Personalplanung und eine erneute Prüfung der Notfallversorgung


Tirschenreuth, 01. Oktober 2026. Die Initiative Klinik Retten nimmt das vorgestellte Zukunftskonzept der Kliniken Nordoberpfalz mit Erleichterung über den angekündigten Erhalt aller Standorte, zugleich aber mit erheblichen Fragen zur Kenntnis. Nach der nun öffentlich vorgestellten Planung soll Kemnath zum Fachkrankenhaus für Innere Medizin und Altersmedizin werden, Tirschenreuth zum Zentrum für Orthopädie und Gelenkersatz. Die Akutgeriatrie soll von Tirschenreuth nach Kemnath wechseln; die geriatrische Rehabilitation bleibt nach aktuellem Stand bis 2029 in Erbendorf. [2][3]


„Für uns fühlt sich der Ablauf dennoch wie ein Déjà-vu des Jahres 2024 an. Wieder geht es um Entscheidungen von enormer Tragweite für die Gesundheitsversorgung im Landkreis – und wieder erfährt die Bevölkerung davon erst, nachdem die wesentlichen Weichen bereits gestellt sind.“


Nach OberpfalzECHO wurde das Zukunftskonzept am 24. September 2026 vom Aufsichtsrat einstimmig beschlossen. Das zugrunde liegende Gutachten habe die KNO nach Angaben von Vorstand Ralph Junghans am 1. September erhalten; am 29. September wurde das Konzept öffentlich vorgestellt. Die KNO will die notwendigen Änderungen nun beim bayerischen Gesundheitsministerium beantragen. [3]


Die Initiative betont, dass ein kommunales Krankenhausunternehmen selbstverständlich interne Beratungen führen müsse und Verschwiegenheitspflichten zu beachten seien. „Wir behaupten nicht, einen rechtlichen Anspruch darauf zu haben, bei internen Verhandlungen am Tisch zu sitzen. Nach den Erfahrungen von 2024 hatten wir aber gehofft, dass bei einer erneuten Strukturentscheidung dieser Größenordnung die Landkreisbevölkerung früher mitgenommen wird. Das ist für uns auch eine Frage des respektvollen Umgangs mit den Menschen, deren Versorgung hier neu geordnet wird.“

 

 

Wenn die Reformvorgaben die Neuordnung erzwingen, muss das offen benannt werden

Die Initiative erkennt ausdrücklich an, dass sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Krankenhäuser grundlegend verändern. Nach Angaben der KNO erfüllte Kemnath im Juli 2026 bei keiner der sieben beantragten Leistungsgruppen die geprüften Strukturanforderungen; ohne Neuausrichtung hätte der Standort nach Darstellung der KNO Ende 2027 schließen müssen. [3] Bayern befindet sich derzeit mitten in der Zuweisung der neuen Leistungsgruppen. [6]

 

„Wenn sich nach belastbarer Prüfung zeigt, dass die jetzt vorgestellte Struktur unter den gesetzlichen Vorgaben tatsächlich die einzige realistische Möglichkeit ist, alle Standorte zu erhalten, dann müssen auch wir das zur Kenntnis nehmen. Aber gerade dann muss nachvollziehbar erklärt werden, welche Alternativen geprüft wurden, warum sie ausgeschieden sind und welche Risiken die gewählte Lösung hat.“

 

 

Kemnath: Notfallversorgung und frühere Ausbauoptionen transparent aufarbeiten

Besonders wichtig ist der Initiative die Frage, ob und mit welchem Aufwand Kemnath in früheren Jahren für eine qualifizierte Basisnotfallversorgung hätte weiterentwickelt werden können. Der G-BA verlangt für die Basisnotfallversorgung unter anderem Innere Medizin, Chirurgie beziehungsweise Unfallchirurgie, eine Zentrale Notaufnahme und eine Intensivstation mit mindestens sechs Betten, davon mindestens drei mit Beatmungsmöglichkeit. [4] OberpfalzECHO beschreibt für Kemnath aktuell 100 Betten, darunter 48 chirurgische, 48 internistische und vier Überwachungsbetten. [3]

 

Aus diesen Angaben allein lässt sich allerdings nicht ableiten, dass lediglich zwei zusätzliche Betten genügt hätten: Überwachungsbetten sind nicht automatisch als G-BA-konforme Intensivbetten zu werten, und die Basisnotfallversorgung umfasst weitere personelle, organisatorische und technische Anforderungen. Die Initiative fordert deshalb eine rückblickende, sachliche Darstellung: Welche Voraussetzungen fehlten Kemnath tatsächlich, welche Investitionen wären notwendig gewesen und wann wurden welche Ausbauvarianten geprüft oder verworfen?

 

 

Katastrophenschutz und Rettungswesen mitdenken

Die Krankenhausstruktur dürfe zudem nicht ausschließlich aus der Perspektive von Leistungsgruppen und Betriebswirtschaft betrachtet werden. Kommunen und Landkreise tragen Verantwortung auch für Rettungswesen und Katastrophenschutz. Krankenhausplanung, Rettungsdienststrukturen, Erreichbarkeit und die Versorgung bei größeren Schadenslagen müssten deshalb zusammen betrachtet werden.


„Eine Struktur kann betriebswirtschaftlich plausibel sein und trotzdem neue Fragen für Rettungswege, Katastrophenschutz und die flächige Versorgung aufwerfen. Wir wünschen uns deshalb, dass diese Perspektive ausdrücklich Bestandteil der weiteren Umsetzung wird.“

 


Tirschenreuth: Warum nicht wieder eine echte 24/7-Notaufnahme prüfen?

Für Tirschenreuth sieht die neue Planung eine deutliche Aufwertung als Orthopädie- und Endoprothetikzentrum vor. Laut OberpfalzECHO sollen die modernisierten OP-Säle genutzt und geplante orthopädische Eingriffe aus Kemnath und Weiden dort gebündelt werden. Die heutige Notfallambulanz soll erhalten bleiben; 2025 wurden dort knapp 2.000 Patientinnen und Patienten behandelt, 97 Prozent davon ambulant. [3]


Die Initiative fordert deshalb, im Zuge der Neuaufstellung ausdrücklich zu prüfen, welche Voraussetzungen für eine vollständige Notfallversorgung rund um die Uhr in Tirschenreuth geschaffen werden müssten und ob dies medizinisch, personell und wirtschaftlich darstellbar ist. „Wenn Tirschenreuth jetzt wieder zu einem leistungsfähigen operativen Zentrum ausgebaut wird, sollte zumindest transparent geprüft werden, ob daraus perspektivisch wieder eine echte 24/7-Notfallstruktur entstehen kann.“

 


Personal- und Patientenfrage entscheiden über den Erfolg

Die zentrale Frage bleibt für die Initiative das Personal. Die KNO berichtet, dass die beteiligten Chef- und leitenden Ärzte das neue Konzept mitentwickelt beziehungsweise begrüßt haben. Zugleich müssen Beschäftigte infolge der Verlagerungen teilweise den Standort wechseln. [3]

 

Gerade bei der Endoprothetik müsse deshalb vor dem Umzug klar sein, welche Operateure, Pflegekräfte, OP-Teams, Anästhesie- und Therapiestrukturen tatsächlich dauerhaft nach Tirschenreuth wechseln. Ebenso entscheidend ist, ob die Patientinnen und Patienten beziehungsweise die bisherigen Zuweisungen dem Angebot an den neuen Standort folgen. Ein medizinisches Zentrum kann nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn neben Personal und Qualität auch die erforderliche Nachfrage und Auslastung tatsächlich mitwandern beziehungsweise neu aufgebaut werden können.

 

Kemnath verfügt über ein etabliertes Endoprothetik-Zentrum mit 561 Totalendoprothesen im Jahr 2024. [7] Aus Sicht der Initiative ist zu erwarten, dass an einem entsprechend ausgebauten Zentrum in Tirschenreuth für einen wirtschaftlich tragfähigen Betrieb vermutlich eine höhere Zahl an Eingriffen erforderlich sein kann als am kleineren, eingespielten Standort Kemnath. Die konkrete Kalkulation ist jedoch Sache der KNO und sollte transparent erläutert werden.


„Ein kurzfristig gelungenes Verschieben von Abteilungen ist noch kein nachhaltiger Erfolg. Entscheidend ist, ob die benötigten Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und weiteren Fachkräfte in zwei, drei und fünf Jahren tatsächlich da sind. Die Personalplanung kann am Ende darüber entscheiden, ob die Neuordnung trägt oder ob der gesamte Verbund erneut unter Druck gerät.“

 


Nicht Kemnath gegen Tirschenreuth

Die Grundhaltung der Initiative bleibt unverändert: Tirschenreuth soll dauerhaft erhalten und gestärkt werden. Daraus dürfe aber kein Wettbewerb gegen Kemnath entstehen. Die Initiative schlägt weiterhin vor, als Vergleichsszenario zu prüfen, ob der etablierte elektive Schwerpunkt Orthopädie und Endoprothetik in Kemnath erhalten werden könnte, während Tirschenreuth gezielt um andere akutmedizinische und operative Strukturen ergänzt wird. Sollte dieses Modell aufgrund der Leistungsgruppen, der Fachkrankenhaus-Systematik oder anderer zwingender Vorgaben nicht möglich sein, sollte dies öffentlich nachvollziehbar begründet werden.


„Wir wünschen dem neuen Vorstand ausdrücklich, dass die Neuordnung gelingt. Aber ein temporärer Sieg reicht nicht. Unser Maßstab ist, ob die medizinische Versorgung im Landkreis auch in fünf und zehn Jahren noch funktioniert. Deshalb wollen wir nicht nur hören, dass alle Standorte bleiben. Wir möchten verstehen, warum genau diese Struktur langfristig die beste Chance dafür bieten soll.“

 

 

Initiative Klinik Retten (IKR)

Tirschenreuth








Quellen und fachliche Grundlagen

[1] Oberpfalz-Medien / Onetz, Wolfgang Würth: „Umbau bei Kliniken Nordoberpfalz: Orthopädie verlässt Kemnath“, 28.09.2026. Vom Auftraggeber bereitgestellter Artikel. Der Bericht kündigte die Verlagerung von Orthopädie und Endoprothetik von Kemnath nach Tirschenreuth und die Neuordnung ab dem zweiten Quartal 2027 an. https://www.onetz.de/oberpfalz/kemnath/umbau-kliniken-nordoberpfalz-orthopaedie-verlaesst-kemnath-id5515667.html


[2] Oberpfalz-Medien / Onetz, Wolfgang Würth: „Neue Struktur für Kliniken Nordoberpfalz: Sonst wäre Schließung unvermeidlich“, 29.09.2026. Vom Auftraggeber bereitgestellte PDF. In der vorliegenden PDF ist die erste Artikelseite enthalten; dort wird die erneute große Umstrukturierung beschrieben und angekündigt, dass sie ohne Standortschließungen und Kündigungen auskommen solle. https://www.onetz.de/oberpfalz/weiden-oberpfalz/neue-struktur-fuer-kliniken-nordoberpfalz-waere-schliessung-unvermeidlich-id5516741.html


[3] OberpfalzECHO, Christine Ascherl: „Kliniken Nordoberpfalz: Alle Häuser bleiben – Schwerpunkte ändern sich“, aktualisiert 29.09.2026. https://oberpfalzecho.de/ratgeber/gesundheit/kliniken-nordoberpfalz-alle-standorte-bleiben-aber-die-aufgaben-werden-neu-verteilt


[4] Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Gestuftes System von Notfallstrukturen in Krankenhäusern. Für die Basisnotfallversorgung gelten u. a. Anforderungen an Innere Medizin, Chirurgie/Unfallchirurgie, Zentrale Notaufnahme, Facharztverfügbarkeit sowie eine Intensivstation mit mindestens sechs Betten, davon mindestens drei beatmungsfähig. https://www.g-ba.de/themen/bedarfsplanung/notfallstrukturen-krankenhaeuser/


[5] Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention: Bayerischer Krankenhausplan 2026. Für Kemnath sind 100 stationäre Betten und die Fachrichtungen Chirurgie, Gynäkologie und Innere Medizin ausgewiesen; für Tirschenreuth 70 stationäre Betten, Innere Medizin und das Fachprogramm Akutgeriatrie. https://www.stmgp.bayern.de/meine-themen/fuer-krankenhausbetreiber/krankenhausplanung/


[6] Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention: Umsetzung der Krankenhausreform in Bayern. Die Zuweisung der Leistungsgruppen soll bis Ende 2026 erfolgen; die finanzielle Vorhaltevergütung soll nach aktuellem Stand ab 2028 schrittweise wirksam werden. https://www.stmgp.bayern.de/meine-themen/fuer-krankenhausbetreiber/umsetzung-der-krankenhausreform/


[7] Kliniken Nordoberpfalz AG: „Hohes Niveau bei Gelenkersatz: Zehn Jahre Endoprothetik-Zentrum Kemnath“, 07.11.2025. Für 2024 nennt die KNO 561 Totalendoprothesen; seit 2015 rund 5.000 endoprothetische Versorgungen. https://www.kliniken-nordoberpfalz.ag/ueber-uns/aktuelles/detail/hohes-niveau-bei-gelenkersatz-zehn-jahre-endoprothetik-zentrum-kemnath

 

Hinweis zur Einordnung

Aussagen über noch nicht öffentlich belegte interne Kalkulationen, Personalentscheidungen oder frühere Managementverantwortung werden in diesem Papier nicht als Tatsachen dargestellt. Wo die Initiative eine Bewertung, Sorge oder Prüffrage formuliert, ist dies entsprechend kenntlich gemacht.

 

 

Initiative Klinik Retten



+++ ENDE PRESSEMITTEILUNG +++



Diese Mitteilung finden zum Download als PDF:




Danke und herzliche Grüße

Team von Initiative Klinik Retten



von Initiative Klinik Retten | 01.10.2026

 
 
 

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